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Ya Ku Za
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Die Yakuza. Die sagenumwobene Unterwelt Japans. Ehrenhaft, supercool, Meister der Kampfkunst und Stars jedes japanischen Actionfilms. Sei es Dead or Alive von Takeshi Miike, in welchem die Yakuza eher dem stilvollen coolen Image gerecht werden (eine russisch Roulette Szene, sechs Kammern eine Kugel: der Yakuza genervt zu seinem Kontrahenten: „Ich hab keine Zeit für so ’nen Scheiß“ und drückt drei Mal ohne zu zögern ab) oder der Film Dolls von Takeshi Kitanos, in welchem ein alternder Yakuzaboss zu seiner ersten Liebe zurückkehrt (die über 30 Jahre jeden Samstag im Park auf ihn gewartet hat) und von ihr nicht mehr erkannt wird .Im Folgenden wollte ich mich – zumindest etwas – seriöser mit eben dieser sagenumwobenen Organisation beschäftigen. Ich werde mich dem Thema durch drei Fragen annähern.


Yakuza, Kriminelle oder modere Samurai?
Um diese Frage zu klären, muss mach sich etwas mit der Geschichte der Yakuza beschäftigen. Die Yakuza als Bande existiert wahrscheinlich seit Beginn des 17. Jahrhunderts, in der Endozeit (1603-1868). Die Tokugawa-Familie vernichtete damals all ihre Feinde und wurde somit Herrscher in Japan, zum so genannten „Shogun“. Die Samurai der vernichteten Feinde verloren ihre Arbeit und fanden als geächtete auch keine neue. Und so fingen sie als Straßenverkäufer an, aus denen die Tekija resultierten. Da es nun einen Herrscher gab kehrte in Japan Frieden ein. Doch das hatte zum Nebeneffekt, dass die Soldaten (auch alles Samurai, man nannte sie Hatamoto) sich langweilten. So zogen sie durch die Städte und provozierten Bürger und andere Samurais, was dann meist in größeren Straßenschlägereien endete (Jackie Chan lässt grüßen). Es organisierte sich eine Organisation bestehend aus ehrenwerten Samurai, um diese Kämpfe zu verhindern: Die Yakuza waren geboren.
Zu großem Ruhm gelangten sie allerdings erst in der Meijizeit (1868-1912) unter Jichiro. Die Yakuza gaben sich insbesondere dem Straßenhandel sowie dem Glücksspiel hin. Anfangs war dies noch sehr respektiert, die Yakuza spielten hauptsächlich in Tempeln (da dort keine Gesetze galten) und zahlten so genannte Terasen, was übersetzt Tempelgeld bedeutet. Doch mit der Zeit sank das Ansehen der Yakuza und aktive Samurai beschuldigten sie, den Bushido (Ehrenkodex der Samurai, bestehend aus sieben Tugenden:
Gi (義): Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, Yu (勇): Mut, Jin (仁): Güte, Rei (礼): Höflichkeit, Makoto (誠) oder Shin (信): Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Meiyo (名誉): Ehre, Chūgi (忠義): Treue) nicht zu ehren. So wurden die Yakuza zu Geächteten. 8 9 3 ist im Hanafuda (einem japanischen Kartenspiel) das schlechteste Blatt. Sie sahen sich selbst als die Unnützen der Gesellschaft, als Abschaum.
Heute darf jeder den Yakuza beitreten. Deine Vergangenheit zählt nicht. Japan ist in dieser Hinsicht ein konservatives Volk; wer einmal im Gefängnis war wird nur sehr schwer wieder eine Arbeit finden. Der einzige Ausweg: die Yakuza.
Doch die Yakuza ist kein Sündenpool der Gesellschaft kein Abfangbecken um dem Müll zu trennen. Vielmehr wird in großen Teilen der Yakuza noch sehr auf die Traditionen geachtet. Es gibt klare Regeln und an die muss sich jeder halten. Im schlimmsten Fall verliert man sein Gesicht (Ausschluss aus der Yakuza); und man kann dies einzig und alleine dadurch wiedergutmachen, indem man eine Fingerkuppe spendet. Nach fünf Fehlern ist man nicht mehr in der Lage ein Schwert zu führen. Was für uns eher nebensächlich klingt, ist für einen Yakuza eines der schlimmsten Dinge. An diesem Beispiel zeigt sich, wie stark gerade heute wieder die Yakuza mit den alten Samurairegeln in Beziehung stehen.
Die Yakuza sehen sich selbst im gleichen Aufgabenfeld wie die Polizei. Sie wollen für Recht und Ordnung sorgen. Da das Yakuzarecht und die Yakuzaordnung nicht so ganz mit denen der Polizei übereinstimmen kommt es hierbei öfters zu Konflikten zwischen diesen zwei Parteien.
Die Samurai waren früher eben auch die Hüter von Recht und Ordnung. Ehre und Treue. Sie hatten Kodexe und diese galten für sie über alles, selbst über Leben.

So lässt sich zusammenfassend meine Einstiegsfrage so beantworten, dass man die Yakuza durchaus als moderne Samurai bezeichnen kann. Aufgrund einer moderne Staatsform, der Globalisierung und dem Einsatz einer Partei überlagernder Interessen (die Polizei) kam es allerdings zu einem Interessen- und Gesetzeskonflikt. Und eben dieser macht die Yakuza kriminell. So lässt sich die Frage mit einer kleiner Änderung zu einer Antwort machen: Yakuza, Kriminelle und moderne Samurai.


Yakuza, die japanische Mafia?
Auch die Mafia hat ein ziemlich cooles Image, dass muss man ihr lassen. Schwarze Nadelstreifenanzüge, Sonnenbrille und schallgedämpfte Pistolen. Der Pate, die Familie, Ehre. Auf den ersten Blick scheinen sich beide Organisationen zu ähneln, doch bei genauerer Betrachtungsweise stellt man durchaus einige Unterschiede fest.
Zuerst einmal einen kleinen Einblick in die italienische Mafia: Der Begriff Mafia im Sinne einer Machtzusammenschließung wie wir sie heute auch noch kennen taucht zum ersten Mal 1868 auf – über 200 Jahre nach der Yakuza. Die Mafia verfolgt zwei traditionelle Ehrenkodexe: zum einen die Omertá (die Schweigepflicht) und zum anderen die Vendetta (die Blutrache). Es gibt eine klare Hierarchie und einen Anführer: den Paten. In der Mafia geht es traditionell um die Ehre der Familie. Die Familie ist allgemein das Bindeglied. Viel geht über Blutsverwandtschaft. Die Herkunft spielt eine wichtige Rolle.
Vieles hiervon steht im Gegensatz zur Yakuza. So etwas wie Schweigepflicht gibt es dort nicht, vielmehr ist man stolz, zur Yakuza zu gehören. Zum einen deshalb, zum anderen aus Hierarchischen Gründen sind Yakuzamitglieder auch immer tätowiert. Je höher der Rang, desto großflächiger und prachtvoller die Tätowierung. Lediglich in der breiten Öffentlichkeit will man unentdeckt bleiben und trägt deswegen Fingerprothesen und längere Kleidung.
Ein weiterer Gegensatz ist die (Familien)Herkunft. Eben diese soll bei der Yakuza das unwichtigste sein, bei der italienischen Mafia spielt sie eine wichtige Rolle.
Lediglich die strenge Hierarchie stellt eine große Übereinstimmung dar: Was in der Mafia der Pate ist nennt sich bei den Yakuza Oyabun (親分). Und in beiden Organisationen muss man bereit sein, für seinen Chef bedingungslos alles zu opfern; selbst sein eigenes Leben.

Prostitution, Menschenhandel, Drogenhandel, Erpressung, Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, Geldwäsche. Diese sieben Begriffe stellen den Inbegriff des organisierten Verbrechens dar. Und auch dieses Feld ist eine Übereinstimmung beider Organisationen. Doch beide gehen unterschiedlich an diese Bereiche heran. So ist es zum Beispiel in der Yakuza verpönt, mit Drogen zu handeln. Wer dies macht, hat üblicherweise große Geldprobleme und wird er dabei erwischt, verliert er sein Gesicht.
Doch auch hier ändert die Zeit so manche Regel. In der heutigen Zeit gibt es auch – insbesondere junge – Yakuza, denen das Geld mehr bedeutet als die Tradition, als die Ehre. Meist verbünden sie sich zu Splittergruppen der Yakuza und gehen deutlich brutaler und ehrloser vor als ihre traditionsbewussten Kollegen und Konflikte sind hierbei vorprogrammiert. So zum Beispiel in der zweiten Jahreshälfte 1997 in Osaka, als solch eine abgesplitterte Gang Takumi sowie einen Passanten erschossen. Takumi war die Nummer zwei (Nummer eins ist Watanabe) der Yamaguchi-gumi, welche wiederum die größte Bezirks/Unterabteilung der Yakuza ist. Die Yamaguchi-gumi hat cirka 20000 Mitglieder. Zum Vergleich: Die komplette italienische Mafia hat genau so viele. Nach dem Mord begann eine 49-tägige Trauerperiode, in der sich die Yamaguchi-gumi, die Splittergruppe sowie die gesamte Osaka’sche Polizei auf einen Bandenkrieg vorbereiteten.
So gibt es zwar immer wieder Interessenkonflikte, doch trotzdem versucht die Yakuza mit starkem Nachdruck ihre Ehre zu wahren. Deutlich stärker, als dies die Mafia tut. So lässt sich sagen, dass sowohl die Yakuza als auch die Mafia organisiertes Verbrechen darstellen, man die Yakuza aber keineswegs als die japanische Mafia bezeichnen kann.


Yakuza, ein notwendiges Übel?
Das die Yakuza ein Übel sind leuchtet jedem wahrscheinlich schnell ein. Aber warum sollen sie denn notwendig sein? Nun, diese Frage stellt man sich in erster Linie aufgrund unzureichender Informationen. Diese Informationsarmut herrscht allerdings nicht nur in Europa, sondern selbst in Japan wird dieser Teil gerne verschwiegen.
Die Yakuza: eine verbrecherische Organisation. Doch tatsächlich verboten ist sie erst seit 1961 (!). Denn davor konnte es sich die Regierung einfach nicht leisten, diese wertvolle, gut organisierte Organisation zu verbieten. Während des Meiji-Restauration-Krieges kämpften die Yakuza heldenhaft an Seite der kaiserlichen Truppen. Im Chaos nach dem zweiten Weltkrieg waren es die Yakuza, welche die chinesische und koreanische Mafia bekämpften und die Polizei unterstützten, beziehungsweise von ihnen zur Unterstützung sogar angefordert wurden. 1960 gab es politische Unruhen und der linke Flügel demonstrierte auf sehr gewalttätigem Wege. Die Regierung hatte als einzigen Ausweg, die Yakuza um Hilfe zu beten. Diese stellte sich mit 100000 Mitgliedern an die Seite der Polizei und lösten so die Demonstration auf.
Ein Jahr danach, 1961, wurde die Yakuza dann verboten. Von jetzt an wurde von offizieller Seite aus das Wort Bouryokudan (Verbrecher-Bande) genutzt, wenn man von der Yakuza sprach.
Die Yakuza hatte offizielle Büros, man konnte jederzeit mit den Mitgliedern sprechen, sie um Hilfe bitten und so weiter. Häufig kam es sogar vor, dass nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung, sogar nach einem Mord das betroffene Yakuzamitglied zur Polizei ging und alles zu Protokoll gab.
Viele Leute sind sehr unglücklich über die Entwicklung seit 1961. Denn erst der Prozess des illegalisierens machte es den weniger Ehrbewussten möglich, mehr Macht zu gewinnen. Durch den großen Aufwand auf Verheimlichung, den die Yakuza nun auf sich nehmen muss, kann nicht mehr alles so genau geprüft werden, wie es davor möglich war.
Trotz dieser Einschränkungen versucht die Yakuza an alten Mustern festzuhalten. Unschuldige dürfen nicht zu Schaden kommen, den Mitmenschen muss Hilfe angeboten werden und die Yakuza übernimmt eine Schutzfunktion für die Bedürftigen.
So ist der Polizei die Yakuza zwar ein Dorn im Auge (zumindest seit 1961), aber zumindest Teile der Gesellschaft sind froh über ihre Existenz. Der andere Teil der Gesellschaft bekommt durch einseitige Berichterstattung der Polizei und den unter Druck gestellten Medien wohl nur die Schattenseiten dieser Organisation gezeigt und hat somit keine Möglichkeit, sich objektiv eine Meinung zu bilden.


Schlussbemerkung:
Nun, auch für mich ergaben sich im Laufe der Recherchen immer wieder neue Bilder der Yakuza. Und es fällt mir schwerer denn je, diese Organisation nun in gut oder böse einzuteilen. Trotzdem würde sich zusammenfassend sagen, dass sich die Organisation für mich eher ins gute entwickelt hat und ich sie nach wie vor um ihren Stil bewundere.


Ich hab keine Zeit für so ´nen Scheiß, ich geh jetzt in den Park den Vögel lauschen.



Manuel Stettner


PS: Musikalisch einstimmen hat heute schon viel besser geklappt. Und zwar mit dem Soundtrack von der Animeserie „Noir“. Sehr zu empfehlen, klassisches Orchester, Chorgesänge und manchmal mit etwas Elektronik gemischt. Zwar noch nicht ganz Japan (Texte auf Spanisch, Italienisch, Englisch und ja auch eher europäische Instrumente), aber immerhin schon von Japan für Japan produziert. Ach ja, ist das dann nicht eigentlich doch japanisch?!


Bilder von oben nach unten:
http://images.rottentomatoes.com/images/movie/coverv/13/208013_thumb.jpg
i.tomodachi.de/ant/service/jpn_movies/dolls_2.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Hanafuda.jpg
www.roadjunky.com/japan/yakuza.jpg
http://myrick.typepad.com/photos/uncategorized/yakuza_designs.jpg

Quellen:
http://www.japan-stammtisch.de/stammtisch/lecture/lecture_yakuza.php
http://www.japonet.de/j-impressionen/yakuza.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Yakuza
http://de.wikipedia.org/wiki/Bushid%C5%8D


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